Kunstverein GRAZ – Online Ausstellungsraum

  

 

INSTAGRAM DISCOVERIES: DETAILS

@kat_s_snaps und @no.place.is.boring

Dauer: 01.07.2021 bis 31.7.2021  

Kuratorin: Erna Oklapi 

 

Statt Vernissage

Die Zeit hinter uns hat uns gezeigt, wie still die Welt ohne Kunst und Kultur sein kann. In diesen langen stillen Momenten und der langen Zeit in sozialen Netzwerken konnten wir aufsteigende Möglichkeiten und Wege sehen, wie Kunst und Kultur wachsen und sich entwickeln können. Denn damit haben wir eine Online-Plattform geschaffen, um begeisterte Künstler zu zeigen, die in den Momenten der lauten Stille nicht aufgehört haben zu kreieren.

Die Serie “INSTAGRAM DISCOVERIES” ist als “Stopp” zum endlosen Scrollen geboren, wo man anhalten und nach verschiedenen Künstlern bewundern kann. Auch diese Serie wird von der Motivation geleitet, die lokale Kultur- und Kunstszene zu unterstützen.

In unserer ersten Online-Ausstellung „DETAILS“ werden zwei Künstler, die auf einer bekannten Online-Plattform für Visual Sharing entdeckt wurden, zusammen mit ihren Arbeiten präsentiert, die sich auf Details um uns herum konzentrieren. In der Stille des gegenwärtigen Augenblicks mit Fotografie als Medium öffnen uns kat_s_snaps und no.place.is.boring die Welt des „Hier und Jetzt“. Durch die sorgfältige Auswahl der Details, die in ihrem Rahmen stattfinden, lösen beide Künstler beim Betrachter das Gefühl der Bedeutung des gegenwärtigen Moments aus.

Anstelle von Vernissage, beschrieben Künstler die Werke des anderen, die wir im Folgenden pro Künstler präsentieren.

Nimm dir einen Moment Zeit und genieße es hier und jetzt in vollen Zügen.

Willkommen zu unserer ersten Online-Ausstellung!

 Erna Oklapi

@kat_s_snaps

Details…
Details ist, dass was den Unterschied macht… ist das was kommt und macht es interessanter, was ins Auge fallen kann… kann ein Lied schöner machen mit ein paar Noten, die nicht da bevor war, ein Sako schicker und ein Drink leckerer. Manchmal aber ist nicht nur was kommt… ist auch was draußen bleibt.

So sehe ich es auch mit fotografieren… Details machen die Fotos interessanter und ist das, was mich faszinieren kann und so entscheide ich mich, ob ein Foto auf meiner Wand kommt oder bleibt in mein Instagram Account… ich habe „interessanter“ geschrieben, weil nach meiner Meinung „schön“ was subjektiv ist.

Das was mich über Katharinas Fotos fasziniert ist, dass sie die Details in so viele Situationen sehen kann.

Von leeren Sälen mit schönem Licht, wo die Stühle so ordentlich sind, und gleich kann man das Gefühl spüren … diesen stillen Moment in Uni, wo die Leute Examen schreiben… dieses komische Gefühl, dass die Studenten haben, wenn die Themen kommen. Die Studenten sind nicht auf dem Foto oder irgendjemand, das Gefühl aber ist da und mach mich gleich, um meine Studienjahre zu erinnern.

Bis die Wäsche, die auf eine Schnur hängt und der Wind bringt sie zum Tanzen. Du bekommst gleich das Gefühl… wieder entweder keine Musik oder keine Leute… man kann es aber fühlen… Sonntagstimmung am Anfang September wo die Leute an den Sommer erinnern und auf dem Winter warten… gemischter Gefühle, die mit der gehängten Wäsche einmischen. So schön und harmonisch.

Dann zeigt sie sich selbst… nicht ganz aber  nur Details von ihr. Ein Blick, der hinter Blumen versteckt… du kannst spüren, dass der Frühling schon hier ist… du kannst sich selbst erinnern jedes Mal, dass du außer von deinem Fenster während Winter geguckt hattest und auf dem Frühling gewartet hast.

Und am Ende kommt eine große Tabelle mit dem Text „DREAM“ drauf… und hinter Meer und schöne Himmel… hier es geht um Details, die das Leben schöner machen können und natürlich sie weiß es und sie zeigt zu uns so deutlich…

N i e m a l s aufhören zu träumen!

Ist mein erstes Mal, dass, ich sowas mache und ich habe mich so sehr gefreut, wenn ich es mitbekommen habe, dass ich mit Katharina die Ausstellung mitmachen werde.
Wir haben ähnlich, dass, wir beide aus Hobby fotografieren und „dieses Detail!“ macht es interessanter.

Autor @no.place.is.boring

@no.place.is.boring

Als ich die Anfrage für diese Ausstellung beim KunstvereinGRAZ bekam, wurde mir gesagt, dass man gerade Giorgos und mich zusammen angefragt habe, weil es etwas Verbindendes in unseren Fotos gäbe, nämlich ein gewisses Gespür für Details.

Ich fand das sehr spannend, denn auch ich finde, dass unsere Fotos etwas gemeinsam haben, auch wenn sich unsere Stilmittel grundsätzlich unterscheiden.

Während ich zu menschenleeren Szenarien und einer eher subjektiven Perspektive tendiere und nur selten wirklich Distanz zur Situation schaffe, steht Giorgos eher außerhalb seiner Szenarien und verstrickt Mensch und Stadt durch Komposition und Licht-Schattenspiel geschickt zu Geschichten.
Die Perspektive ist hierbei immer ein wenig distanziert und entrückt und evoziert so klar narrative
Grundmuster. Betrachte ich seine Bilder, so kann ich gar nicht anders als eine personale, wenn nicht sogar auktoriale Erzählerstimme zu hören; ähnlich dem Beginn eines Romans oder Films.

Das ist eines der Dinge, die ich an Giorgos‘ Fotos am liebsten mag: Er zeigt nicht nur, er erzählt.

Und bleibt dabei gerade so viel im Ungefährem, dass genug Raum für uns als Betrachter bleibt uns seine Geschichten zu eigen zu machen. Im Zentrum stehen stets Individuen, die allerdings nie als solche entlarvt werden. Gesichter begegnen einem, wenn überhaupt, nur flüchtig, wie im Vorübergehen.

Diese Sensibilität ist in einer Ära in der auf Instagram & Co der „bold shot“ straight ins Gesicht von Fremden gefeiert wird nicht selbstverständlich, und gleichzeitig ist genau sie es, die diese Momentaufnahmen so universal, aber trotzdem einzigartig werden lassen. Was wir in seinen Bildern
sehen – die Ambivalenz des Raums Stadt mit all ihren Freiheitsversprechen, aber auch ihrer postmodernen Einsamkeit – könnte sich eigentlich an jedem Ort abspielen. Wir sehen Menschen, oft isoliert und allein (wenn nicht physisch, dann meist zumindest „versunken“) in diesen Zwischenmomenten im öffentlichen Raum, die wir alle kennen. Alleinsein unter Vielen.

Auffällig ist, dass die Komposition oft so gewählt ist, dass die Subjekte sich einem beinahe übermächtigem Raum gegenüber sehen und so häufig isoliert, z.T. beinahe verloren wirken.
Gesteigert wird das häufig auch noch dadurch, dass Licht und Schatten geschickt so eingesetzt werden, dass das Subjekt von der Umgebung durch tiefe Schatten abgeschnitten wird und in einer „spot light situation“ nur noch weiter an Verletzlichkeit gewinnt. Man kann sich diesem Eindruck nicht entziehen, denn auch die Linien und Sichtachsen lassen unseren Blick wie automatisch auf seine
Protagonisten zulaufen.

Giorgos‘ Geschichten sind Stadtgeschichten.

Nicht die trubeligen, wilden; nach Menschenmassen sucht man meist vergebens. Es sind die authentischen Momente im Kleinen: die Raucherpause, die Textnachricht am Busbahnhof, der Griff in die Haarsträhne.

Die Zwischentöne.

Wenn ich die Bilder sehe, dann sehe ich ein Innehalten. Und genau das ist es auch, was ich sagen würde, was uns verbindet. Wir halten inne um Fotos zu machen; wir machen Fotos um inne zu halten.

Autorin @kat_s_snaps