KünstlerInnen: 

Traudl Platschek Skulpturen, Grafik

Georg Kleber Skulpturen, Grafik, Malerei

Kuratorin: Barbara Gaukler

Ausstellungseröffnung: Vernissage 13.8.2021, 19 Uhr mit live Performance

Ausstellungsdauer: 14. August – 03. September 2021

Öffnungszeiten: Samstag 14. August 14 bis 18 Uhr, sonst Freitag und Samstag, 17:30 – 19:30 Uhr

Nofretete und Kultivator

Mutationen haben keinen guten Ruf. Sie sind für die Veränderung von Bauanleitungen bei Organismen verantwortlich. Sie variieren die Reihenfolge biologischer Bausteine und lassen damit neue Gestalten entstehen. Damit begründen sie im Wesentlichen die Entwicklung von Neuem in der Biologie. Ohne sie würden wir heute noch als Molekülketten in der Ursuppe schwimmen, das Neandertal hätten wir nie erreicht. Nofretete hätte es nie gegeben.

Auch in der Kunst ist Veränderung, Evolution, zwingend notwendig. In den modernen Gesellschaften, die Entwicklung zum Credo erheben, mehr denn je. Kreativität gilt als Kernkompetenz. diese definiert sich als schöpferische Kraft, die etwas erschafft, was neu, nützlich oder brauchbar ist, die Entwicklung erschafft.

In diesem Sinne präsentiert der KunstvereinGRAZ e.V. künstlerische Arbeiten von Traudl Platschek und Georg Kleber in den neu bezogenen Räumen in der Bachgasse. Beide Künstler*Innen nutzen das Prinzip der Evolution, indem sie Materialien und Objekte neu kombinieren.

Traudl Platschek wählt die menschliche Gestalt und verändert sie durch Zufügen von zB Hut-Objekten. Sie nutzt dafür „arme“ Materialien, gebrauchte, zerschlissene Pappen, Stoffe, Socken, Nylons. Ihre Hutobjekte verändern das Erscheinungsbild der Person, die sie trägt und ermöglichen einen Perspektivwechsel für die Träger*In und die Betrachter*In. Es entstehen Anmutungen von alten Bildern – Nofretete, Nonnen, Afrikaphantasien. Sie provoziert archaische Bilder mit ihrer organischen Formsprache und den gewählten gebrauchten Materialien. Die Kunstobjekte waren anfangs nur für soziale Medien gedacht, irgendwann begann Platschek, die Objekte wie Hüte zu tragen. Bei der live Performance bei der Vernissage am 13.8. trugen drei Models in mehreren Runden die Hüte zu Trommelrhythmen vor den aufmerksamen Besucher*innen. Auch das „Nothemd“, das die Verbundenheit von Platschek zum bayerischen Wald zeigt, wurde so würdevoll präsentiert.

Georg Kleber, zum dritten Mal zu Gast im GRAZ, betreibt künstlerische Evolution ebenfalls aus Gebrauchsdingen. Er verformt jedoch nicht die menschliche Gestalt, er kreiert sie neu. Dabei nutzt er Axtklingen, Kanisterdeckel, Noppenfolie oder auch Erdnüsse und kombiniert diese Erbinformation unserer „Wegwerf“-Kultur zu neuen Lebewesen. Diese neuen Gestalten sind in Bronze gegossen oder in Öl auf Pappe zu finden. Die Attribute von Lebewesen – Köpfe, Arme, Beine und ihr Handeln – Tragen, Knien, oder kultivieren entstehen aus der Neukombination, weil Kleber die Grundprinzipien von Gestalten erfüllt, er beherrscht es, eine menschliche Figur entstehen zu lassen, die ursprünglichen Gegenstände verlieren ihre Bedeutung und erfüllen eine neue Funktion.

In den Ölbildern fügt er wildeste Details zusammen, beim Bild „Kultivator“ ist ein solcher Teil einer neuen Kopf-Gestalt. Technisches, Pflanzliches, Schrift und Strukturen fügen sich zu Abbildern, die zwischen archaisch und utopisch changieren, Formen die so noch nie da gewesen sind.

Die Kunst von Traudl Platschek aus München, die u.a. bei Fritz König und Hermann Nitsch lernte, und Georg Kleber aus Rehling, der als freier Künstler sein tiefes Wissen auch in Kursen vermittelt, ist noch bis 3.9. zu entschlüsseln.

Barbara Gaukler

(Kuratorin)